Deine Übungen zur Vorbereitung der zweiten Session meines Onlinekurses „Alles Bildspannung“
1. Zeichnerische Übung – zur Vertiefung der Lerninhalte der ersten Session – das „Gross-mittel-klein“ – Gestaltungsprinzip
Um noch ein paar weitere Erfahrungen mit dem von mir und Matthias Kulcke entwickelten Gestaltungsprinzip des „Gross-mittel-klein“ (gmk) zu sammeln, fertige mit Zeichenkohle ein paar Übungsblätter an. Zeichne dir dafür wieder kleinere Quadrate als Formate auf ein Blatt, in denen du die gmk-Varianten ausprobieren kannst. Zeichne nicht länger als ca 10 min für die 3 Variationen einer SP.
Bleibe stets locker und genieße die Experimente!
1) Für die SP rund vs gerade vs dreieckig entwickle jeweils in einem Format:
a) als GROSSE Menge gerade Formen, als MITTLERE Menge runde Formen, als KLEINE Menge dreieckige Formen
b) als GROSSE Menge runde Formen, als MITTLERE Menge dreieckige Formen, als KLEINE Menge gerade Formen
c) als GROSSE Menge dreieckige Formen, als MITTLERE Menge runde Formen, als KLEINE Menge gerade Formen
2) Für die SP hell vs mitteldunkel vs dunkel entwickle jeweils in einem Format:
a) als GROSSE Menge helle Form, als MITTLERE Menge dunkle Formen, als KLEINE Menge mitteldunkle Formen
b) als GROSSE Menge mitteldunkle Formen, als MITTLERE Menge helle Formen, als KLEINE Menge dunkle Formen
c) als GROSSE Menge dunkle Formen, als MITTLERE Menge helle Formen, als KLEINE Menge mitteldunkle Formen
3) Für die SP ortogonal-aufrecht vs diagonal vs ortogonal-waagerecht entwickle jeweils in einem Format:
a) als GROSSE Menge aufrechte Forme, als MITTLERE Menge waagerechte Formen, als KLEINE Menge diagonale Formen
b) als GROSSE Menge waagerechte Formen, als MITTLERE Menge aufrechte Formen, als KLEINE Menge diagonale Formen
c) als GROSSE Menge diagonale Formen, als MITTLERE Menge waagerechte Formen, als KLEINE Menge aufrechte Formen
Nimm wahr, welche Mengenverhältnisse bezogen auf bestimmte Qualitäten in dir eine besondere Resonanz hervorrufen. Notiere in dein künstlerisches Tagebuch! Wie leicht/schwer fällt es dir, die Qualitäten und unausgewogenen Mengen zu gestalten? Notiere für dich.

2. Übung in Farbe – dafür benötigst du
Die wichtigsten Spannungspaarungen für unsere Malerei

Noch ein paar hilfreiche Hinweise zur zweiten Übung in Farbe
Für diese Übung empfehle ich dir das Malen an einer z.B. Feldstaffelei. Damit du dir angewöhnst, in Abstand zu deinem Bild zu gehen und in Bewegung zu bleiben.
Erinnere dich wieder daran eine innere Haltung einzunehmen, die ich mit fokussierter Entspanntheit bezeichne :)) Sobald du eigene Angespanntheit, negative Gedanken usw. wahrnimmst, unterbrich dein Zeichnen/Malen. Sprich freundlich mit dir. Erlaube dir Unvollkommenheit, die Suchbewegung, das Herantasten. Zufriedenstellende Ergebnisse kommen mit der Zeit häufiger, wenn du eher die Neugier auf den Lernprozess, das Lernen an sich fokussierst. So komisch es klingen mag, das einzelne Ergebnis (oder das tolle Bild) ist nicht das Ziel.
Los geht’s mit Farbe und viel Spaß!
Die vorbereitende Übung mit Farbe zur Session 2
In dieser Übung wendest du einige dir bereits bekannte Spannungspaarungen mit Farbe an, einige Spannungspaarungen kommen neu dazu. Nimm dein Blatt oder deine Leinwand und male sie als ein Querformat.
Das Rezept der Übung in 5 Schritten
Diese Übung wird zwischen 30 und 45 min dauern. Du brauchst einen Föhn, um relativ zügig von Schritt zu Schritt weitergehen zu können. Lege genussvolle Pausen mit Tee und Betrachtungen der einzelnen Schritte ein!

Schritt 0 und 1)
Grundiere den oberen und unteren Rand deines Querformates lasierend (Orange mit etwas Wasser vermischen) jeweils etwa zu 2/7teln.
Lasur trocken föhnen.
Mit dem Breitstreicher streichst du ein mittleres Grau (Weiß mit etwas Schwarz gemischt und etwas Acrylbinder) in einem deckend-streifig-ineinander-vermischten Farbauftrag der Querausrichtung deines Formates folgend.
Beachte: dieser Farbauftrag sollte insgesamt leicht aufwärts diagonal die gesamte Querausrichtung bedecken.
Diese breite deckende Farbform sollte sowohl den oberen als auch den unteren orangenen Streifen etwas überlappen, ihn jedoch oben wie unten mindestens 2-3 cm orange sichtbar stehen lassen.
Trocken föhnen.
Schritt 2)
Im oberen Bilddrittel streichst du mit dem etwas schmaleren Breitstreicher im deckenden Farbauftrag (Preussisch Blau satt auf die Borsten nehmen) leicht diagonal in Gegenbewegung (also leicht abfallend von links nach rechts gelesen).
Beachte: Auch wenn die diagonal-gerade Strichbewegung von links leicht fallend erscheinen soll, führst du sie jedoch von rechts nach links aus, damit der erste Farbabrieb satt-deckend erfolgt und zum Rand nach links trockener ausläuft.
Setze den breiten Strich jedoch nicht beim rechten Blattrand an, sondern etwa im Übergangsbereich vom rechten 1.Bildviertel zu 2.Bildviertel.
Trocken föhnen.
Schritt 3)
Mische auf deiner Palette Hellgrün mit Deckweiß ungleichmäßig und trage die Farbpaste reichlich auf der Kante deines Spachtels (Kantenlänge mind. 15 cm) auf.
Ziehe den Spachtel mit der Farbe in einer Testbewegung durch die Luft kurz über deinem Format. Wenn dir die Höhe und der Winkel der Bewegung klar ist, drückst du die Kante mit der Farbe im unteren Bilddrittel in einer diagonalen Bewegung der Querausrichtung des Formates folgend ab.
Beachte: Die diagonale Streichbewegung sollte in etwa der Richtung deiner ersten Grauform folgen.
Die gespachtelte Textur darf ungleichmäßig bleiben, so dass Bereiche der grauen Farbform sowie Teile der orangenen Untermalung nicht vollständig überdeckt werden.
Trocken föhnen.
Schritt 4)
Mit deinem schmaleren Breitstreicher streichst du im lasierenden Farbauftrag (Türkisblau mit Acrylbinder und Wasser vermischt) in insgesamt ortogonaler Ausrichtung über den Bereich deines Formates, der sich etwa zwischen 1. Siebtel von rechts bis knapp zur Formatmitte erstreckt.
Beachte: Die Gesamtform wirkt am Ende zwar ortogonal, sollte jedoch von oben bis unten in horizontalen Bewegungen aufgetragen werden. Die Streiche dürfen etwas ungleichmäßig beginnen und enden, also nicht scharfkantig links und rechts in einer Linie abschließen bzw. beginnen.
Trocken föhnen.
Durch die Lasur ist der deckende Antrag der preussischblauen Farbe von Schritt 2 wieder etwas zurückgedrängt worden. Hole diesen satten Ton wieder hervor, indem du ihn nochmal vom deckenden Ansatzbeginn spurgetreu aufträgst.
Erneut trocken föhnen.
Schritt 5)
Mische Magenta mit etwas Deckweiss und ziehe mit dem Flachpinsel (Borstenbreite ca. 2cm) in Ausrichtung der türkisblauen Lasurform über den Beginn der preussischblauen Spur bis hinunter zum Formatrand in einer leicht gebogenen Strichführung.
Beachte: Setze den Strich nur knapp oberhalb der preussischblauen Spur an, starte ihn nicht direkt am oberen Bildrand.
Setze ihn die preussischblaue Spur leicht überlappend ein. Führe den Strich nur in einer leicht gebogenen Bewegung aus.

Wenn du magst, schicke mir via Email (seminar@inner-artist.me) dein Resultat zu. Möglicherweise kann ich in der LIVE Besprechung der 2.Session konstruktiv darauf eingehen, ohne dich namentlich zu erwähnen :))